Aber Nelson: Olivenöltest zum Zweiten

Nelson Müller testet Olivenöl. Schon wieder. Sein Fazit: Alles Extra Vergine. Alles klar. Wirklich?
Nelson Müller testet Olivenöl. Schon wieder. Sein Fazit: Alles Extra Vergine. Alles klar. Wirklich?

Frei nach Horacio Ayala: «Sie haben sich ein weiteres Mal geirrt, lieber Nelson.» Nelson mit Nachname Müller und berühmter deutscher Fernsehkoch mit ghanaischen Wurzeln hat zum zweiten Mal nach 2015 Olivenöl getestet. Olivenöle aus Supermarkt, Discounter und dem Feinkosthandel. Wieder kommen er und die von ihm oder dem ZDF beauftragten Prüfinstitutionen und Medien (u. a. Stiftung Warentest, welche mittlerweile zum Antonym von "Olivenölverständnis" verkommen ist) zum Schluss, dass alle von Nelson Müller angestellten Olivenöle der ersten Güteklasse - sprich nativ extra - entsprechen.

 

Wir wissen erstens, dass das kaum möglich ist und zweitens behaupten wir, dass dieses Ergebnis nicht der Wahrheit entspricht. Anders kann man die Aussage der Off-Sprecherin «In Rom weiss man: kein anderes Lebensmittel wird öfter gefälscht.» nicht verstehen (30'01'').

 

Der Direktor des italienischen Zentralinspektorats für den Schutz der Qualität und Betrugsbekämpfung von Agrar- und Lebensmittelprodukten (ICQRF - Ispettorato centrale della tutela della qualità e della repressione frodi dei prodotti agroalimentari), Luca Veglia, sagt im Beitrag zu ZDF: «Ein anderer Trick: Die Fälscher kaufen minderwertiges Öl, das aus verdorbenen Oliven gewonnen wurde, mischen es mit ein wenig gutem Olivenöl und verkaufen es dann als "extra nativ".» Und weiter: «Für die Fälscher ist es besonders leicht, die Kunden in Deutschland hinters Licht zu führen. Denn die Deutschen wissen nicht, wie extra natives Olivenöl wirklich schmeckt. Wir in Italien haben eine grössere Olivenölkultur als in Deutschland.»

 

Es ist deshalb wenig schlüssig, warum nun ausgerechnet in Deutschland bei Nelson Müllers Olivenöltest alle geprüften Olivenöle der deutschen Discounter in bester Ordnung sein sollen. So sollen die Olivenöle von Aldi und Lidl die sensorische Prüfung durch ein vom "Internationalen Oliven Rat" anerkanntes Panel (womöglich und höchstwahrscheinlich vom Deutschen Olivenöl Panel) immer noch mit der Note 3.0 (befriedigend) abgeschlossen haben, sprich Extra Vergine sein. So lässt die Off-Text-Sprecherin die Zuschauer wissen: «Die billigen Öle sind oft Mischungen aus verschiedenen Ländern, nativ extra dürfen sie sich alle aber trotzdem nennen.»

 

Nelson Müller, der den Resultaten des Olivenölpanels offensichtlich Glauben schenkt, greift tief ins Fettnäpfchen, als er zusammenfassend meint: «Die Bezeichnungen Extra Vergine oder Extra Nativ sagen eigentlich wenig über den Geschmack aus.» Doch genau den Geschmack regelt die Qualitätsbezeichnung Extra Vergine im geltenden EU-Gesetz unter anderem. So dürfen Öle, die nach fermentierten Oliven, schlammig, schimmlig oder ranzig riechen - sprich viele Supermarkt- und Discounter-Olivenöle -, die Auslobung Extra Vergine von gesetzes wegen nicht tragen. Trotzdem tun sie's. Gerade weil Nelson und Co. dies mit solch dümmlichen Sendungen geradezu fördern. 

 

Frei nach Horacio Ayala: «An irgendeinem der nächsten Tage wird meine Geduld erschöpft sein, Nelson.»

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Herbert Muri (Donnerstag, 07 Juni 2018 19:19)

    Ich fragte mich schon öfters, wie Sterneköche zu ihren Sternen kommen?? Sollte man nicht über so grundlegende Dinge Bescheid wissen? Bei Kaviar und Champagner soll es beste Qualität sein. Bei einfachen aber wesentlichen Sachen reicht das Discounterprodukt. Viel Hype um nichts.

  • #2

    Sandrine Blättler (Freitag, 08 Juni 2018 08:00)

    Wer Qualität im Supermarkt sucht, ist selber schuld. Und wer solchen Sendungen glaubt ebenso.

  • #3

    Maurizio Ciro (Freitag, 08 Juni 2018 16:49)

    Immerhin Canena. Tolle Öle. Die vergleichsweise hohen Preise sind gerechtfertigt.

THE MASTER SAYS:

«Echtes natives Olivenöl extra macht aus Gutem das Beste. Es bringt die Food Revolution in die Restaurants und in die Küchen zu Hause. Wer einmal echtes EXTRA VERGINE gekostet hat, weiss es fortan zu schätzen. Viel mehr noch: ....er differenziert damit das Gute vom Schlechten. Das ist gut so.»

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