Rapsöl. Besser nicht.

«Schweizer Rapsöl ist eines der gesündesten, wenn nicht sogar das gesündeste Speiseöl überhaupt.», schreibt der Verein Schweizer Rapsöl mit Sitz in Bern. Das ist eine Ansage. Dieser stehen allerdings die Tatsachen gegenüber, dass sich die für gesund beworbene und im Rapsöl mit bis zu 10 Prozent enthaltene α-Linolensäure (ALA), besser bekannt als Omega-3-Fettsäure, nur gerade mal zu 0.5 % in die bioaktive und somit vom menschlichen Körper verwertbare Omega-3 Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) umwandeln lässt sowie, dass Rapsöl einen Anteil relativ hohen Anteil - ca. 20 Prozent - an Linolsäure (LLA), besser bekannt als Omega-6-Fettsäure, aufweist, welche umgewandelt in Arachidonsäure entzündungsfördernd wirkt.

 

Dennoch hindert dies den Verein Schweizer Rapsöl nicht daran, auf seiner Webseite mit der Aussage zu werben, dass die α-Linolensäure bekannt für ihre vorbeugende Wirkung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei. Stattdessen schreibt man lieber von einem ausgewogenen Anteil an Omega-6-Fettsäuren, hebt nicht begründete gesundheitliche Pro-Rapsöl-Argumente hervor und brüstet sich damit, dass das Rapsöl als einziges Pflanzenöl in der Lebensmittelpyramide der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung erscheine. Natürlich erscheint Rapsöl in der Lebensmittelpyramide der Pseudo-Ernährungswissenschaftler. Während ihrer Ausbildungszeit wurden sie schliesslich genügend lang und stark von Rapsöl-Lobbyisten beeinflusst und gar finanziert. Die Wertschöpfung soll ja in der Schweiz bleiben. Was also liegt näher, als den in der Schweiz stark verbreiteten Raps auf diese Art und Weise zu unterstützen?

 

Vom Maschinenöl zum Gesundheitselixier für Kinder

Vielleicht sei jenen, die es noch nicht wissen, mal erklärt, dass Rapsöl bis zum Ende der 70er Jahre nicht gegessen werden konnte. Weder von Menschen noch von Tieren. Es war schlicht zu giftig. Dafür verantwortlich waren die zu hohen Anteilen enthaltene Erucasäure und Glucosinolate (Senfölglycoside wie sie in Senf oder Meerrettich zu finden sind). Bis zu diesem Zeitpunk verwendete man Rapsöl vor allem als Schmierstoff für Industrie-Maschinen, zur Produktion von Rapsasphalt, Pflanzenschutzmitteln, Tensiden, Weichmachern, Lacken, Farben und Sägekettenöl. Dass es heute, nur gerade 46 Jahre später, als besonders gesund - weil entsprechend gezüchtet und labortechnisch verändert - gelten soll, während man es gleichzeitig für die Produktion von Biodiesel verwendet, macht einem stutzig.

 

Echte, unabhängige Ernährungswissenschaftler warnen vor Pflanzenölen

Mittlerweile werden weltweit fast 30 Millionen Tonnen Rapsöl produziert. Tendenz steigend. Seit Anbeginn der Ära Raps und generell seit die Menschen penetrant darauf darauf hingewiesen werden, billiges, angeblich gesundes Samenöl zu konsumieren, haben metabolische Erkrankungen stark zugenommen. Es kommt nicht von ungefähr, dass Lebensmittelchemiker und Ernährungswissenschaftler vor dem Konsum von Pflanzenölen warnen. So schrieb die Lebensmittelwissenschaftlerin und Master in Public Health Food, Maria Cross aus England, Pflanzenöle seien "der neue Zucker", der Krankheiten und Leiden bringe (06.06.2016 - Vegetable oil: the new sugar). Es sei an der Zeit, den Fokus auf ein andere grosse ernährungswissenschaftliche Katastrophe zu richten, das Pflanzenöl, so Cross in ihrem Blog. Sie erwähnt, dass sich pflanzliche Öle mit einem bedeutenden Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Anm. Redaktion: z. B. Rapsöl, Distelöl, Sonnenblumenöl, Leinöl, Erdnussöl etc.) nicht zum Kochen und Erhitzen eignen würden, da bereits bei relativ niedrigen Temperaturen toxische Aldehyde entstehen würden, welche unter anderem für Atheriosklerose, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erbgutschädigungen zuständig sind, resp. diesbezüglich deutlich fördernd wirken.

 

HOLL-Rapsöl: Das Olivenöl-Billig-Imitat zum Braten und Frittieren

Da auch die Rapsölindustrie von den gesundheitlich äusserst bedenklichen Eigenschaften von Rapsöl weiss, hat sie mit der Entwicklung des HOLL-Rapsöls eine neue Lösung für ahnungslose Konsumentinnen und Konsumenten aus dem Hut gezaubert. HOLL, was so viel heisst wie High Oleic Low Linolenic, ist eine wiederum neu gezüchtete Rapssaat, die einen hohen Anteil an der einfach ungesättigten Fettsäure, der Ölsäure und einen niedrigen Anteil an der dreifach ungesättigten Alpha-Linolensäure aufweist. Dieses «Spezial-Öl», so der Verein Schweizer Rapsöl, soll besonders hitzestabil sein und garantiere, dass selbst bei hohen Temperaturen keinen unerwünschten Beigeschmack entstünde. Das im Labor entstandene HOLL-Rapsöl ist eigentlich nichts anderes als ein Billig-Imitat des Olivenöls. Nur dass das Olivenöl dieses vorteilhafte Fettsäuremuster von Natur aus enthält. Der hohe Anteil an Ölsäure (bis zu 83 Prozent - Claudio Peri, The Extra Virgin Olive Oil Handbook) und in der Regel maximal 1 Prozent Alpha-Linolensäure machen Olivenöl zu einem idealen Bratöl. Doch nicht nur das: Natives Olivenöl extra beinhaltet im Gegensatz zum tot gequälten, raffinierten, gebleichten, entschleimten, desodorierten HOLL-Rapsöl eine Vielzahl gesundheitsfördernder sekundärer Pflanzenstoffe wie Polyphenole, Tocopherole, Squalen und Triterpene. Abgesehen vom Preis, gibt es also keinen Grund, auf das billige HOLL-Rapsöl zu setzen. Doch nur des Preises wegen, auf das Billigprodukt zurückzugreifen, ist ein schlechter Ratgeber.

 

Oxidiertes Öl zum Salat

Rapsöl wird im Supermarkt in drei verschiedenen Formen angeboten: Kaltgepresst. Raffiniert. Und HOLL (ebenfalls raffiniert). Abgesehen davon, dass beim Raffinierungsprozess für die Gesundheit ungünstige Substanzen wie Transfettsäuren entstehen können, sei gesagt, dass kaltgepresstes Rapsöl und raffiniertes Rapsöl äusserst empfindlich auf Licht-, Wärme- und Sauerstoffeinlüsse reagieren. Je länger das Öl diesen Risikofaktoren ausgesetzt ist, desto schlechter ist es. Man kann demnach davon ausgehen, dass sich das im Supermarkt erworbene Rapsöl meist schon im Prozess der Oxidation befindet. Durchsichtige Glasflaschen oder Plastikbehälter (weil durchlässig) sind Katalysatoren für diese gefürchtete Oxidation. Und, wer will schon ranziges Öl an seinem frischen Gartensalat?

 

Todeszone Raps

Raps ist aber nicht nur zum Endprodukt Rapsöl verarbeitet bedenklich, sondern birgt beim Anbau auch für die Umwelt grosse Gefahren. Glyphosat ist hier das Stichwort. Raps wird mit Roundup (so der populärste Handelsname des Totalherbizids) behandelt, was das Zeug hält. Starb das Wild vor den 80er Jahren beim Verzehr von Raps noch an Überdosen an Glucosinolaten, werden heute mit der Chemiekeule Feldhamster, Regenwürmer, Vögel, Schmetterlinge, Libellen, Bienen und Kleinstlebewesen massenweise exekutiert.

 

Tiefe Preise = hohe Attraktivität für Gastronomen

Rapsöl und insbesondere HOLL-Rapsöl finden sich oft in professionellen Küchen. Die Köche schätzen daran vor allen Dingen den tiefen Preis. Je nach Einkaufsmenge gibt es den Liter bereits ab CHF 3.00. Darauf angesprochen wähnen sich Köche aufgrund der Fettsäurenzusammensetzung des HOLL-Produktes in Sicherheit und argumentieren häufig auch, dass es sich dabei um ein Schweizer Produkt handle und man diesem den Vorzug gegenüber anderen Produkten geben soll. Das ist allerdings nicht fertig gedacht. Denn, wer gutes Gemüse, gutes Fleisch oder guten Fisch zubereiten will, der braucht auch ein gutes Öl. Und das hat seinen Preis. Wie eben der gute Fisch. Oder würden Sie angegammelten Fisch noch kaufen, liebe Leser?

 

Ich wünsche "en Guete".

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Kommentare: 6
  • #1

    muriel pedol (Mittwoch, 23 August 2017 13:10)

    Das verdirbt einem nicht nur den Appetit, sondern raubt einem schlichtweg den Atem! Eine von den vielen Puzzle in dem Spiel der Erleuchtungen, warum um uns, im näheren Umkreis immer mehr Menschen an Krebs u.a. erkranken und weiterhin, so gut wie "ungebremst" daran sterben....!!!

  • #2

    fridu (Donnerstag, 14 Juni 2018 16:50)

    So einen Schwachsinn habe ich noch selten gelesen. Ich schätze ein gutes Olivenöl ebenso wir gutes Rapsöl. Jeds Öl hat seine Vorzüge und der Konsument ist selbst mündig und kann entscheiden. Was Sie da über Rapsöl schreiben entbehrt jeder Grundlage: Rapsöl konnte auch schon vor 1970 bedenkenlos konsumiert werden. Die angesprochene Erucasäure war vor allem bei der Verfütterung des Rapskuchens ein limitierender Faktor. In der Schweiz wir niemals Glyphosat in einem Rapsfeld angewendet. Dieses Herbizid wird nur auf Brachflächen ausgebracht. (sonst würde der Raps ja auch vernichtet) Rapsöl mit vergammeltem Fisch zu vergleichen ist der Gipfel der Frechheit oder besser der Unwissenheit! Übrigens: weltweit sind schon hunderte wenn nicht tausende Personen nachweislich an verdorbenem Olivenöl erkrankt oder gar gestorben, Erkrankungen an Rapsöl sind bisher keine bekannt.
    (Bin gespannt ob sie den Beitrag stehen lassen)

  • #3

    Master of Olive Oil (Montag, 18 Juni 2018 19:49)

    Lieber fridu, jeder Nachricht kann man auch Positives abgewinnen. In diesem Fall, dass Sie bei Master of Olive Oil Dinge lesen durften, die es sonst bislang für Sie noch nirgendwo zu lesen gab. Die Rapsöl-Diskussion und vor allen Dingen die ständigen Versuche, Rapsöl ein Sauber-Image aufzudrängen, das es gar nicht verdient, erinnert mich an Voltaires Zitat «Je öfter eine Dummheit wiederholt wird, desto mehr bekommt sie den Anschein der Klugheit.»

    Zunächst einmal muss man wissen, dass bis 1976 fast die Hälfte des Öles, aus welchem Rapsöl zusammengesetzt war, aus eben diskutierter Erucasäure bestand. Laborratten hatten nach der Verfütterung von Erucasäure erhebliche Herzprobleme (bspw. Herzverfettung) entwickelt, daneben wurden auch Leber und Nieren geschädigt. Erst 1976 setzte die EU Höchstgehalte für Erucasäure als Verunreinigung in pflanzlichen Ölen und Fetten sowie in Lebensmitteln, denen pflanzliche Öle und Fette als Zutat zugesetzt werden, fest. Das galt natürlich insbesondere für Rapsöl, das bis anhin vor allen Dingen als Maschinenöl eingesetzt wurde. Das kann man selbstverständlich alles bei EFSA, der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde nachlesen.

    In der Tat gabe es 1981 in Spanien einen grossen Olivenöl-Skandal mit vielen hundert Toten und über 20'000 Erkrankten (die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein). Allerdings erkrankten und starben die Menschen nicht "an Olivenöl", sondern vielmehr an vergälltem Industrie-Rapsöl. Ich erinnere an dieser Stelle gerne nochmals an Voltaires Zitat.

    Meine besten Wünsche und Grüsse für eine erfolgreiche Zukunft wünscht
    Silvan Brun

  • #4

    WuShoe (Freitag, 22 Juni 2018 03:15)

    Die Behauptung, dass HOLL-Rapsöl im Labor entstanden sein soll, ist schlicht unwahr. Die HOLL Rapssorte wurde über viele Jahre hinweg natürlich gezüchtet. (Im übrigen ist Gentechnik in der Schweiz verboten, nur falls Sie das noch nicht wussten...)

    Zudem enthält HOLL Rapsöl 3% Omega-3 und nur 11% Omega-6, dafür ganze 70% von der gesunden Oleic Acid (eben HOLL: High Oleic - Low Linolenic). Und dort wo "Low Linolenic" drin ist, ist garantiert sehr viel Besseres dran - denn das ist entzündungsförderndes Omega-6!

    Zudem wird Rapsöl in der Northern Diet benutzt - dem ebenso gesunden Gegenstück zur Mediterranen Diet. (Wobei die "Mediterrane Diät" ja nicht wirklich mediterran ist, es fehlen da nämlich die völlig ungesunde Pasta, Pizza und Weissbrot, naja...im Norden gibt's halt eben Sauerteigbrot und Fisch. Also in der Praxis: Norden vs. Süden 1 : 0! Plus die schädliche Palmitinsäure aus dem Olivenöl: 2 : 0 für den Norden!)

    Sie sollten beim Blogschreiben vielleicht wieder etwas mehr zur Realität zurückkommen...dann würden Sie nämlich über die Laborratten berichten, die infolge von Olivenöl (wegen der Palmitinsäure) an Herzverfettung erkrankt waren.

    Seien wir realistisch: Der Grund für die geringe Herzinfarkt im Süden ist der viele Wein, der dort getrunken wird...und in gar keinem Fall das (ungesunde) Olivenöl.

  • #5

    Master of Olive Oil (Samstag, 23 Juni 2018 09:30)

    Liebe / lieber WuShoe

    Ich schätze es sehr, wenn man - insbesondere bei Kritikübung - seinen Namen preisgibt. Das gehört für mich zur Netiquette und bildet die Basis einer transparenten Kommunikation.

    Selbstverständlich ist mir zu Ohren gekommen, dass gentechnische Veränderungen in der Schweiz grundsätzlich verboten sind. Es ist auch verboten, als Verkehrsteilnehmer eine Sicherheitslinie zu überqueren oder Steuern zu hinterziehen.

    Sie können davon ausgehen, dass mir ebenfalls bekannt ist, dass HOLL die Abkürzung für das Englische High Oleic Low Linolenic ist. Ich darf Sie an dieser Stelle erinnern, dass Olivenöl je nach Sorte bis zu 84 % Ölsäure enthält, jedoch arm (maximal 1%) an Alpha-Linolensäure ist, weshalb ich glaube, dass die Fettsäurestruktur des Olivenöl gutes Vorbild für die umsichtigen Züchter es HOLL-Raps' war.

    Es scheint mir wichtig, Ihnen auch mitzuteilen, dass ich generell weniger über Ratten als über Olivenöl und Menschen schreibe. Ratten - so wie ich das verstehe - nehmen grundsätzlich gänzlich andere Kost zu sich, als wir Menschen es tun. Und: Ratten kochen, sprich erhitzen keine Koteletten. Nicht immer sind Tierversuche etwas wert. Egal ob dabei für das Olivenölimage positive oder negative Resultate hervorgebracht werden.

    Es ist vielleicht töricht von mir, zu glauben, dass der Wein nicht nur bei den Südeuropäern für die geringe Herzinfarktrate verantwortlich ist, sondern sich auch in Ihrem sich doch sehr seltsam lesenden Kommentar bemerkbar macht. Nehmen Sie's mir nicht übel.

    Meine besten Wünsche und Grüsse für eine gute Zukunft
    Silvan Brun



  • #6

    Ludger Alpmann (Mittwoch, 19 September 2018)

    So einen Müll...zusammengesetzt aus Unwissenheit, Halbwahrheiten und Dummheit ist mir selten über den Weg gelaufen. Die sog. unabhängig Experten scheinen Grundlagen der Ernährung nicht verstehen zu wollen. Die wirtschaftliche Not der Olivenlobby muss schon ziemlich gross sein, wenn man derartige Behauptungen aufstellt.

THE MASTER SAYS:

«Echtes natives Olivenöl extra macht aus Gutem das Beste. Es bringt die Food Revolution in die Restaurants und in die Küchen zu Hause. Wer einmal echtes EXTRA VERGINE gekostet hat, weiss es fortan zu schätzen. Viel mehr noch: ....er differenziert damit das Gute vom Schlechten. Das ist gut so.»

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