Unser aller Bertolli.

Ich persönlich finde Bertolli-Olivenöle wirklich nicht gut. Sie schmecken mir nicht nur überhaupt nicht, sondern sie widern mich gar an. Sie stinken nach meinem persönlichen Empfinden genau so, wie Olivenöle nicht riechen dürfen, die sich extra vergine nennen wollen. So habe ich es in meinen Ausbildungen von grossen Meistern gelernt. Und so lehre ich es meinen Schülern weiter. Es sind die in der EU und in der Schweiz geltenden Standards des Internationalen Oliven Rates, die bei meinen Verkostungen zur Anwendung kommen. Stichig, weinig, schlammig und ranzig sind die offiziellen Fehlerbezeichnungen, die ich unter anderem in den Ölen von Bertolli finden kann. In ihren Ausprägungen empfinde ich die Fehler teilweise als derart extrem, dass ich eigentlich von "Lampantöl" reden müsste. Wie auch immer, ich bilde mit mir selbst ja kein offizielles Panel (welches sich aus acht bis zwölf Verkostern zusammensetzt), weshalb es mir nicht erlaubt ist, Bertollis Olivenöle als Lampantöle zu bezeichnen. Die Ehrverletzungs- und Schadenersatzklagen kommen sonst zuverlässig. Auch ein Grund, warum ich fast immer im Konjunktiv schreibe. Und heute ist's wieder soweit, ich schreibe über Bertolli.

 

In der kürzlich ausgestrahlten Episode Patti Chiari vom 9. Dezember 2016 hat RSI über Extra Vergine berichtet. Wie schon bei vorangegangenen Schweizer Extra Vergine Tests (z. B. im Kassensturz vom 3. Mai 2016) fiel Bertollis Originale durch. Ungenügend in der Qualität, um Extra Vergine auf die Etikette schreiben zu dürfen, urteilt das Schweizer Olivenöl Panel in Wädenswil. Ob das Schweizer Olivenöl Panel Bertolli als Lampantöl abgestraft hat, ist mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. 

 

Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres wird Bertolli in Konsumentenschutzmagazinen disqualifiziert. Das hält den Abfüller aus Tavarnelle in Val di Pesa allerdings nicht davon ab, seine Konsumenten vom puren Gegenteil zu überzeugen. Unter der Domain www.olivenoel-guide.de hat die zum Mutterhaus Bertollis gehörende DeOleo Deutschland GmbH eine Werbeseite für Bertolli-Olivenöle estellt, mit welcher das angeschlagene Image Bertollis gesundgepflegt werden soll.

Gut. Besser. Prämiert! lautet der Slogan, mit welchem Bertolli wirbt. Dabei soll Bertolli von Verbrauchern als Marke mit der besten Produktqualität für Speiseöle und -fette gewählt worden sein, sagt DEUTSCHLAND TEST von FOCUS-MONEY. Ich frage mich an dieser Stelle, ob es richtig ist, Bertolli-geeichte Konsumenten als Jury zu wählen? Viel besser hätte man ein unabhängiges Olivenöl Panel damit beauftragen sollen, der Frage der Produktqualität bei Olivenölen auf den Grund zu gehen.

 

Ich sehe auf der deOleo-Website www.olivenoel-guide.de aber noch etwas, an dem ich mich stosse: «Wie gewährleisten wir, dass sie keine Öle aus zweifelhaften Quellen verwenden?» Nach unzähligen Tests, in denen Bertolli schlecht abschnitt, scheint diese Frage ein Witz zu sein. Bertolli versichert im Statement gar, dass im Falle von Verdachtsmomenten bezüglich Qualität und Echtheit des von Bertolli bezogenen Öls, der Abfüller sofort alle notwendigen Schritte unternehme, um die Qualität der Produkte garantieren zu können. Mir ist nicht bekannt, dass Bertolli in der Schweiz aufgrund von Kassensturz- und Patti Chiari-Resultaten Chargen zurückrufen liess. Viel lieber schiebt der gigantische Abfüller den Fehler auf seine Kunden, die Detailhandelsketten, in dem er sagt, dass diese das Öl falsch lagern würden.

Es scheint, dass Bertolli nicht nur unehrlich zu seinen Endkonsumenten, sondern auch unfair gegenüber seinen Kunden, den Detailhändlern, ist. Verantwortung übernehmen sieht anders aus, deOleo. Widerwärtig finde ich somit nicht nur das Öl Bertollis, sondern auch die Geschäftspraktik des Grossabfüllers. 

 

Ich bin sicher, dass Konsumenten und Detailhändler gleichermassen künftig die richtigen Entscheidungen treffen, wenn sie Extra Vergine kaufen werden. Wer aus Fehlern nicht lernt, den bestraft das Leben.


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THE MASTER SAYS:

«Echtes natives Olivenöl extra macht aus Gutem das Beste. Es bringt die Food Revolution in die Restaurants und in die Küchen zu Hause. Wer einmal echtes EXTRA VERGINE gekostet hat, weiss es fortan zu schätzen. Viel mehr noch: ....er differenziert damit das Gute vom Schlechten. Das ist gut so.»

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